Beziehung statt Erziehung – 3 Blogger im Interview (Teil 3)

Interview

"Meiner Tochter auf Augenhöhe begegnen. Von Geburt an."

Diesen Entschluss hatte Lini von sindsokleinehaende.net bereits in der Schwangerschaft gefasst.
Auf ihrem Blog schreibt sie über die bedürfnis- und bindungsorientierte Elternschaft und welche Hürden sie als alleinerziehende alle meistern muss.

Im Interview erzählt sie unter anderem von ihrem kitafreien Alltag mit ihrer Tochter und die Prägungen aus ihrer Kindheit.

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War dir schon immer klar, dass du mit deinen Kindern anders umgehen möchtest, oder kam das erst im Laufe der Zeit?

Für mich war das schon immer klar.
Bereits in der ersten Schwangerschaft, als ich mein Baby im 4. Monat verlor, war mir sofort klar, dass ich bei einem Folgewunder, alles FÜR dieses Kind machen werde.
Mir war ebenfalls bewusst, dass das kein einfacher Weg wird.

In unserer heutigen Gesellschaft hat man es ja ziemlich schwer, wenn man gewisse Dinge anders macht - fernab der Norm.

Als ich mein Folgewunder dann vorerst tot in den Armen hielt, bestärkte sich meine Einstellung zur bedürfnis - und bindungsorientierten Elternschaft und, dass ich von der klassischen Erziehung nichts halte. Mir wurde in dem Moment noch um ein vielfaches klarer, dass ich ALLES, wirklich ALLES für dieses wundervolle Geschöpf tun werde. Dazu gehört eben auch, dass man den Kindern auf Augenhöhe begegnet und sie auch als gleichwertig ansieht.

Hast Du schon einmal an dem bedürfnisorientiertem Leben mit den Kindern gezweifelt?

Nein, noch nie.
Es gibt für mich nichts schöneres, als mein Kind mit allen Facetten anzunehmen bzw. auf dessen Bedürfnisse einzugehen und gegebenenfalls nach Lösungen zu suchen, die für alle annehmbar sind. Auf Spielplätzen oder im Bekanntenkreis bekomme ich täglich mit, wie "erzogen" wird und mit welchem Ton mit den Kindern geredet wird.
Dadurch fühle ich mich täglich bestätigt, den - für uns - richtigen Weg zu gehen.

An welche Situationen kannst du dich erinnern, die dich nachhaltig für dein jetziges Leben geprägt haben?

Um ehrlich zu sein, gibt es da diverse Situationen.
Ich wurde als Kind beispielsweise oftmals angeschrien, wenn ich ein Glas/ Getränk umgekippt habe. Obwohl ich das natürlich nicht absichtlich tat, habe ich dafür immer enormen Ärger kassiert. Noch heute zucke ich zusammen, wenn mir das mal widerfährt (JA, ich bin immernoch sehr tollpatschig).

Wenn meiner zweijährigen Tochter das mal passiert, würde ich niemals auf die Idee kommen, sie dafür zu tadeln oder zur Rechenschaft zu ziehen. 

Außerdem bezieht sich eine sehr manifestierende Prägung auf mein Durst- Empfinden. Als Kind durfte ich immer vor den Mahlzeiten nichts trinken. Mir wurde eingeredet, dass dies den Magen zu sehr fülle und ich dann ja keinen Hunger mehr auf das nachfolgende Essen haben würde. So assoziierte mein Unterbewusst-sein schon recht früh das Durstgefühl mit etwas Negativem. Noch heute fällt es mir sehr schwer, viel Flüssigkeit aufzunehmen. Ich denke, unsere Generation im Allgemeinen kämpft noch ganz schön viel mit den alten Prägungen aus dem Elternhaus. Viele leiden da natürlich auch noch drunter.

Findest du den bedürfnisorientierten Weg einfach?

Um ehrlich zu sein, ist es mal schwerer und mal leichter.
Oftmals erwische ich mich dabei, wie alte Prägungen aus meiner Kindheit hoch kommen und ich erstmal kurz verschnaufen oder kurz inne halten muss, damit ich entspannt bleibe und nicht lauter werde. Das wäre nämlich nicht richtig. Versteht mich nicht falsch.

Alle Emotionen, die hoch kommen sind richtig. Es gibt keine "falschen"Emotionen.
Allerdings kann ein Kind für die Prägungen und inneren Wunden der Eltern nichts.

Somit hat das Kind absolut nicht verdient angeschrien, beschimpft oder gar mit Liebesentzug bestraft zu werden. Zurück zum Thema. Wichtig ist vor allem, dass wir Eltern die Situationen (alte, übernommene Muster) erkennen, annehmen und gegebenenfalls ändern. Der Weg in ein bedürfnisorientiertes Leben mag zwar am Anfang etwas schwierig sein, aber er ist es allemal Wert. Kindern auf Augenhöhe zu begegnen, auf ihre Bedürfnisse einzugehen und ihnen unsere ganze Liebe zu geben, ist das größte Geschenk, was wir ihnen machen können.

Wie siehst du die Rolle der Mutter in der Gesellschaft?

Egal für welchen Weg sich eine Mutter heutzutage entscheidet, es ist nie der richtige (für die anderen). Und egal wie und was sie macht, sie wird dafür kritisiert.
Versucht eine Mutter Kinder und Karriere unter einen Hut zu bekommen, wird sie dafür angefeindet. Ist eine Mutter daheim und kümmert sich ausschließlich um die Kinder, ist das von der Gesellschaft auch nicht gerne gesehen.

Im Prinzip sollte jede Mutter das tun, was sie für sich und ihre Familie am Besten hält (insofern keine psychische oder physische Gewalt ausgeübt wird). Und das sollte vom Umfeld auch so angenommen werden.

Hast Du Kontakt zu anderen Familien, in denen die Kinder fremdbetreut werden und wenn ja, wie gehst Du damit um?

Ja, habe ich.
Wir haben zwar in erster Linie Kontakt zu Familien, wo die Kinder nicht fremdbetreut werden, aber eben auch befreundete Eltern mit Kita - Kindern.
Und das ist auch okay so. Ich wähle ja schließlich die Freundschaften aus Sympathie heraus aus und nicht, weil ich alle Einstellungen mit meinen Freunden teile.
Würde ich nur mit Familien befreundet sein, mit denen sich alle Einstellungen und/oder Wertvorstellungen überschneiden, bleibt wohl am Ende nicht mehr viel übrig.

Natürlich ist es eine tolle Basis, wenn man auf diversen Themengebieten viele Parallelen hat, jedoch ist das kein Muss für mich.

Anstrengend wird es nur, wenn man bei jedem Treffen nahe gelegt bekommt, das Kind müsse doch unbedingt eine Kita besuchen und die eigene Meinung trifft auf totales Unverständnis.

Daran sind leider auch schon 1-2 Freundschaften zerbrochen.

Wie sieht ein Tag bei euch aus?

Nachdem wir aufgestanden sind (die Uhrzeit varriert von Tag zu Tag, je nachdem wann wir im Bett waren und wie die Nacht war), kuscheln wir nochmal eine Runde.
Wenn wir ausgiebig gekuschelt haben, frühstücken wir meistens direkt und danach machen wir uns fertig.

Oftmals gehen wir dann einkaufen oder zumindestens gehen wir auf jeden Fall raus.
Je nachdem wie meine Tochter dann mag meistens spazieren oder auf einen Spielplatz. Hier lege ich aber darauf wert, dass wir nicht jeden Tag dasselbe machen und immer etwas Abwechslung haben. Gegen 11 Uhr sind wir dann wieder daheim und meine Lütte kommt langsam zur Ruhe. Daraufhin folgt dann der Mittagsschlaf, welcher in der Regel etwa eine Stunde geht.
Nach dem Nap bereiten wir dann oftmals gemeinsam das Mittagessen vor, essen dann und nun geht's auch schon wieder raus.

Wir sind so ziemlich jeden Tag mit anderen Familien verabredet. Die meiste Zeit verbringen wir im Grünen, auf dem Spielplatz oder in Begegnungsstätten.

Je nachdem wie lange und wann der Mittagsschlaf war, plane ich den Nachmittag dann so, dass wir etwa gegen 18/19 Uhr wieder zu Hause sind. Abendessen fällt bei uns oft nicht so üppig aus, da wir immer sehr viel Proviant für die Ausflüge dabei haben und dement-sprechend noch satt sind. Danach wird dann noch gebaut, gemalt oder zusammen Bücher angeschaut. Und auch beim Einschlafen varrieren die Zeiten stark, da wir nicht jeden Tag um die gleiche Uhrzeit müde sind.

Tendenziell schläft meine Kleine gegen 20 Uhr +/- 1h ein.

 

Das war der dritte und letzte Teil unserer Blogreihe. Wenn du mehr von Lini lesen möchtest, dann schau doch auf Facebook, Instagram oder auch Pinterest vorbei!

Zum ersten Interview mit Jenniffer von www.berufungmami.de kommt ihr hier.

Zum zweiten Interview von mir kommt ihr hier.

Viel Freude beim Lesen.

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