Was alle Eltern wissen sollten

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Auf Straßen, auf Spielplätzen oder in Einkaufsgeschäften – beinahe überall kann ich sehen, wie Eltern gewaltvoll mit Kindern umgehen, ohne dass ihnen das überhaupt bewusst zu sein scheint. Sie wirken, als wären sie im Glauben daran, etwas Gutes damit zu tun, dass sie ihre Kinder aufs Leben vorbereiten.

Ich kann mich daran noch gut erinnern. Bei meinem ersten Sohn übernahm ich unhinterfragt die gesellschaftlich geprägte Haltung und leitete daraus mit meinem Anspruch, nur das Beste für ihn zu wollen, Umgangsweisen ab, die mir mit dem heutigen Wissen einfach nur leid tun. Im liebevoll eingerichteten Kinderzimmer musste er so lange schreien, bis wir mal wach waren und für ihn da waren. Die Zeiten, darauf zu reagieren, wurden manchmal sogar hinausgezögert, ich wollte, dass er lernt, sich beim Einschlafen auch ohne uns zu beruhigen. Ich ging davon aus, dass es ihn selbstständiger werden lassen würde. Der Gedanke, Kinder müssten zu festen Zeiten ins Bett mündete in eine nervenaufreibende Spirale, die letztlich niemanden zufrieden stellte. Ich dachte, das Durchsetzen des eigenen Willens durch subtile Drohungen sei meine Aufgabe, damit mein Sohn Umgangsformen lernt und sich in unserer Welt zurechtfindet. Ich wähnte ihn in der Krippenbetreuung in guten Händen. Erst als meine neue Partnerin sich auf die Reise machte und mit mir über die Erkenntnisse der Entwicklungs- und Bindungsforschung sprach – da machte es im ganzen Körper spürbar Klick.

Wir vollzogen den Paradigmenwechsel, wohl wissend, dass wir Neuland betraten. Nun kann ich den Unterschied sehen. Die nächsten Kinder wuchsen in der neuen Haltung auf. Was für ein Unterschied! Ich kann sehen, was Liebe, Begleitung und das Ablegen des defizitären Blicks auf Kinder ausmacht und wie prächtig sie sich entwickeln.

Nur was tun, wenn man all die eingangs erwähnten Situationen sieht? Eltern missionarisch ansprechen? Das ist nicht wirklich meins. Ich bin durchaus stark darin, meine Sicht und Argumente nachvollziehbar zu machen – das setzt aber die Bereitschaft zum Zuhören voraus, die in solchen Fällen kaum gegeben ist. Wie kann man also Eltern einladen, sich mit dem neuen Weg auseinanderzusetzen und ihr eigenes Handeln zu hinterfragen. Früher hat es mir geholfen, Dinge aufzuschreiben und aufs Wesentliche zu reduzieren, um das Verstandene argumentativ vertreten zu können.  Und so habe ich vor mehr als 3 Jahren versucht, das aus meiner Sicht Wichtigste auf einem Blatt zusammenzufassen, dass fortan mein Argumentationseinstieg mit emotionalem Appell sein sollte oder auch als Flugblatt fungieren kann, um diese Gedanken als Saat in die Welt zu tragen. 

Hier folgt also mein Versuch. Wenn Du das hilfreich findest, dann lade dir gerne das PDF herunter oder passe dir den nachfolgenden Text an und verwende ihn, wie du es für richtig hältst. 

Ein Vater aus Bad Saarow

Was Kinderseelen abstumpft

Eigentlich wollen alle Eltern nur eines: das Beste für ihre Kinder. Doch wer nicht weiß, was gut ist, richtet oft großen Schaden an, zum Beispiel mit:

  • Schreien lassen
    Schreien hat die Funktion, auf größte emotionale oder physiologische Not hinzuweisen. Doch einige denken gar, langes Schreien sei eine normale Artikulationsweise unserer Babies bzw. gut für Lungen. Unsere Kinder sind auf Sicherheit, Trost, Nähe, Nahrung und Pflege durch uns angewiesen. Sie teilen ihre Bedürfnisse anhand klarer Signale mit (siehe ‘Dunstan Baby Language’)  – doch viele gehen kaum bzw. nicht richtig darauf ein. So müssen viele Babies wegen Selbstverständlichkeiten verzweifelt schreien - und das ohne jedes Zeitgefühl – ob nun im eigenen Kinderwagen oder -zimmer. Minuten in Angst oder Unsicherheit wirken auf kleinste Menschen wie Ewigkeiten und rauben ihnen Urvertrauen. Dabei lernen sie, dass ihre emotionalen Bedürfnisse und damit sie selbst nicht normal sind – und dass diese Welt von Kälte und Kampf geprägt ist. Wer sich fragt, warum es so viele egoistische und herzlose Menschen gibt, muss wissen, dass diese fast immer frühkindliche Traumata durchlitten haben.
  • Gewaltvolle Kommunikation
    Unsere Kinder sind lange Zeit auf uns Eltern angewiesen. Manche Eltern versuchen jedoch, erwünschtes Verhalten herbeizuführen, indem sie diese Abhängigkeit missbrauchen: Doch in der kindlichen Welt ist ein Androhen des Verlassens (“...dann geh ich eben alleine!”; “dann kommst du ins Heim!”) oder des Entziehen von Liebe (“...dann habe ich dich nicht mehr lieb!”) ein dramatischer emotionaler Stress, der meist nur mit Aggression oder emotionalen Rückzug bewältigt werden kann. 
  • Bindungsverlust
    Ein heikles Thema ist die zu frühe Fremdbetreuung, die aufgrund wirtschaftlicher Prämissen ausgebaut wird. Der zu frühe Verlust der Eltern als primäre Bindungsperson ist ein kindliches Traumata, deren Folgen mittlerweile sehr gut erforscht sind. So erleiden die Kinder Dauerstress (siehe Wiener Krippen-Studie) und Bindungsängste. Als Kompensationsstrategie wird sich an Gleichaltrige orientiert, die elterliche Verlässlichkeit und Fürsorge nicht bieten können. Das programmiert zahlreiche Dramen vor, da Kinder verlässliche Bindungen brauchen. Vieles von den Zuständen und Wertemustern in unser Gesellschaft ist darauf zurückzuführen, dass dem Bindungsbedürfnis der Kinder nicht Rechnung getragen wurde. 

Machen wir uns nix vor – fast alle Eltern kennen das von ihrer eigenen Kindheit nicht anders. Noch immer wirkt die NS-Pädagogik von Johanna Haarer nach, die darauf abzielte, mit unmenschlichen Empfehlungen die Mutter-Kind-Bindung nachhaltig zu zerstören, um die NS-Ideologie gesellschaftlich zu verankern. Die Kriegs- und Nachkriegskinder und deren Kinder gaben nur weiter, was sie selbst erfahren haben. Durchbrechen wir das Muster! Was man seinen Kindern antut, um sie für sich passend zu machen, verschiebt Probleme bzw. erzeugt neue - meist mit dramatischen Folgen in der Jugend oder in Form von Bindungslosigkeit, Unselbstständigkeit, Süchten oder an egoistischen oder gar unmenschlichen Mustern als Erwachsene erkennbar. Und spätestens dann, wenn Eltern wieder von Kindern abhängig sind, wird der Preis gezahlt - wie in den Alten- und Pflegeheime erkennbar. Ein Ändern mag schwierig erscheinen, doch es zahlt sich schnell für alle Beteiligten aus – es wird einfach, entspannt und glückvoll.

Die Wissenschaft hat längst bewiesen, was Mütter eigentlich intuitiv wissen. Bitte beschäftige dich mit dem, was Kinder wirklich brauchen: Bindung. Als Einstieg eignen sich die Bücher: “Auf der Suche nach dem verloren Glück” von Jean Liedloff, “Geborgene Babies” von Julia Dibbern oder “Unsere Kinder brauchen uns” von Gordon Neufeld. 

Eine andere Welt ist möglich – und wir Eltern erzeugen heute, was morgen sein wird. Hör auf dein Herz und deine Intuition. Was wahrhaftig und natürlich ist spürt man tief in sich. Es hat keinen Sinn, seine unguten Gefühle zu übergehen, nur um in dieser Welt gut zu funktionieren. 

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