3 Alternativen zum Schimpfen, Meckern und Schreien

Mama schimpft 3 Alternativen zum Schimpfen und Meckern

Gewalt in Form von Schlägen oder Klapsen ist verboten. Dies ist bereits in den meisten Köpfen unserer Gesellschaft angekommen. Aber wie sieht es mit psychischen Schlägen aus? Ist schimpfen und laut werden erlaubt? Was sagt § 1631 dazu, der seit dem Jahre 2000 ins BGB aufgenommen wurde?

§ 1631 Abs. 2 besagt: “ Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.”

Für mich und auch für viele von euch da draußen gehört das Schimpfen und Laut werden gegenüber Kindern mit zur seelischen Verletzung, es ist Gewalt und zwar verbale.

Was passiert mit unseren Kindern, wenn wir ihnen gegenüber laut werden?

 

Schimpfen nimmt Selbstvertrauen 3 Alternativen zum Schimpfen

Kinder beziehen schimpfen nicht auf ihr Verhalten, sondern auf sich selbst, das schädigt ihr Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl - seine Würde wird verletzt. Das Kind spürt, dass es nicht OK ist, so wie es ist. Außerdem erzeugt schimpfen Angst bei deinem Kind, denn es braucht eigentlich Sicher- und Geborgenheit, dies ist aber in solchen Momenten nicht gegeben.

“Psychologen der Universität von Pittsburgh haben sich 2013 im Rahmen einer Studie mit diesem Thema befasst. Das Ergebnis ist erschreckend und alarmierend. Kinder, die verbale Gewalt erfahren, leiden genauso häufig unter Folgeerscheinungen, wie Kinder die geschlagen oder körperlich misshandelt wurden… Alles, was Kinder in jungen Jahren erleben, prägt sich in ihr Gehirn und die einzelnen Strukturen ein, es setzt sich quasi fest.”*

Weiterhin macht schimpfen und auch bestrafen wütend. Denn Kinder fühlen sich klein, hilflos und ausgeliefert, wenn wir unseren Frust ungefiltert bei ihnen rauslassen. Diese verspürte Wut, kann sich tief im Innern abspeichern, wenn sie nicht sofort rausgelassen werden darf und unterdrückt wird. Dann wird sie bei jüngeren Geschwistern, Spielkameraden oder später im Erwachsenenalter in destruktiver Weise weitergegeben und ausgelebt.

Ich kann mich noch gut an meine eigene Kindheit erinnern und die Angst, die ich hatte, wenn es lauter wurde. Das hat mich geprägt. Noch heute mag ich es nicht, wenn jemand lauter wird. 

3 Alternativen zum Schimpfen und laut werden

Warum kommt es erst soweit, dass wir anfangen mit schimpfen? 

Weil wir nicht auf unsere innere Ampel geachtet haben.

Wenn wir selber gestresst oder in Eile sind und der Alltag mit seinen vielen Herausforderungen einfach zu viel ist, dann kommt es eher vor, dass wir lauter werden. Wir sind dann einfach nicht in unserer Mitte.


Lies hierzu auch meinen Beitrag: “Selbstfürsorge im Alltag”.


Weil unser Kind nicht kooperiert! 

Im Familienleben wünschen und brauchen wir gemeinsames Zusammenwirken, damit der Alltag funktionieren kann. Doch Kinder kooperieren nicht immer so wie wir es bräuchten, beziehungsweise ist uns nicht immer bewusst, wie oft sie schon kooperiert haben. Hier lohnt ein genauer Blick und Flexibiliät.

Lies mehr dazu in meinem Beitrag “5 Tipps für eine bessere Kooperation”

 

Weil wir den Entwicklungsstand unseres Kindes nicht beachten.

Vor allem, wenn wir ein Kleinkind haben, kann es passieren, dass es zu Missverständnissen kommt, weil wir zu viel von ihm erwarten. So können sich Kinder unter drei Jahren beispielsweise noch nicht in andere hineinversetzen, hauen schneller zu oder teilen nicht so gern. Dein Kind weiß nicht, wie es dir oder jemand anderem geht, wenn es dieses oder jenes “anstellt”. 


Lies hierzu auch meinen Beiträge 

Über den Perspektivenwechsel deines Kindes

Zum Teilen lernen und Impulskontrolle

Über Aggressionen bei Kindern: Hauen, kratzen und beißen - 10 Gründe für Aggressionen bei Kindern


3 Alternativen zum Schimpfen

Drei Alternativen zum Schimpfen

Fühl in dich hinein! Was stört dich am Verhalten deines Kindes? Triggert sich sein Verhalten? Kommen diese Trigger vielleicht aus deiner eigenen Kindheit?

Die Arbeit am inneren Kind ist wichtig, um alte Wunden zu heilen und uns nicht am Verhalten unseres Kindes zu stören. 


Lies hierzu auch meinen Gastbeitrag bei Andrea vom Herzensglückskind “Uns hat es auch nicht geschadet”. Dort erfährst du unter anderem, wie du alte Muster erkennen und durchbrechen kannst, um Verantwortung zu übernehmen.


Doch was können wir tun anstelle des Schimpfens?

3 Alternativen zum Schimpfen

  1. Bindungsspiele 

Bindungsspiele bringen im Allgemeinen mehr Harmonie und Kooperation, was wiederum dazu führt, dass du nicht soviel schimpfen “musst”. Vor allem haben sich Machtumkehrspiele und Nonsensespiele bewährt. Bei den Machtumkehrspielen erhält dein Kind die Macht, beispielsweise durch eine Kissenschlacht, bei der du dich ganz theatralisch zu Boden werfen lässt und dein Kind gewinnen lässt. Dadurch wird beim Kind Wut abgebaut, die auch durch einen zu autoritären Erziehungsstil entstanden ist. 

Ein anderes Machtumkehrspiel wäre zum Beispiel, wenn dein Kind es schafft dich vom Bett zu schieben. Du verhältst dich dabei schwach und ängstlich und fällst natürlich auf vom Bett herunter. Eine gute Methode, um ein Lachen bei deinem Kind hervorzurufen, was auch innere Anspannungen abbaut.

Machtumkehrspiel vom Bett schieben

Da Bindungsspiele auch die Kooperation deines Kindes erhöhen, musst du Dinge nicht 100 Mal sagen und somit kommst du nicht ins Schimpfen. Lies mehr zu den Bindungsspielen in meinem Gastbeitrag “9 Spiele - Konflikte lösen und Bindung stärken”.

2. Kommunikation auf Augenhöhe

Begib dich auf Augenhöhe und kommuniziere authentisch mit deinem Kind. Erkläre ihm, warum du dieses oder jenes nicht möchte. Berühre es dabei sanft am Arm, um dir seine Aufmerksamkeit zu sichern. Lies hierzu auch meinen Beitrag “Klare Kommunikation, Grenzen und Selbstfürsorge”.

3. Biete Alternativen an

Wenn es mit der Vase deiner Oma spielen möchte, gib ihm etwas anderes Vergleichbares. Manchmal geht es nur darum irgendwo Wasser hineinzufüllen, da wäre ein Messbecher oder Eimer eine gute Alternative. Oder baut selbst eine Vase aus Ton* nach. Für welche Alternative du dich auch entscheiden magst, stelle deinem Kind so gut du kannst eine “Ja”-Umgebung zur Verfügung, das heißt, dass alle wertvollen und auch gefährlichen Gegenstände (Putzmittel, Messer, Steckdosen absichern) außer Reichweite geräumt werden, sodass du erst gar nicht eingreifen musst.

Entschuldige dich

Natürlich können wir nicht immer ausschließen, dass wir diese Auswahlmöglichkeiten immer schaffen. Es kommt immer darauf an, wie gestresst wir gerade sind und wieviele Nerven wir gerade für den 5. Konflikt infolge haben. Wenn uns also doch mal eine Schimpftirade überkommen ist, dann finde ich es wichtig, sich aufrichtig beim Kind dafür zu entschuldigen. Dann merkt es, dass wir Großen auch mal Fehler machen und dass die Schuld dafür nicht beim ihm liegt. Nach der Entschuldigung fühlst du dich entlastet und freier. Das ist wichtig, denn niemand kann Schuldgefühle gebrauchen. Wir sind alle nur Menschen und keine Maschinen.

Was tun, wenn du wütend wirst?

Du kannst folgendes versuchen, wenn du merkst, wie die Wut in dir hochsteigt:

  • Atme tief ein und aus
  • zähle langsam rückwarts von zehn bis null
  • trink ein Glas Wasser
  • schüttel Arme und Beine aus
  • singe laut oder tanze
  • fang an rumzualbern und ziehe die „negative“ Situation ins Lächerliche (Nonsensespiel)

Wie geht es dir im Leben mit Kindern? Fällt es dir leicht nicht zu schimpfen? Verlierst du schnell die Fassung? Erzähle gern davon in den Kommentaren!

Wünschst du dir eine Begleitung auf Augenhöhe von jemanden, der dir sein offenes Ohr schenkt für all deine Herausforderungen im Familienleben? Dann kontaktiere mich gerne über meine Impuls-Seite.

Teile den Beitrag gerne mit Freunden, Bekannten und Verwandten.

*Auszug aus dem Buch: Erziehen ohne zu brüllen: Mit einem Kleinkind durch die Trotzphase - ohne zu schreien und ohne die Nerven zu verlieren*

 

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Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Nicole Lang

    Um ehrlich zu sein würde ich mir wünschen, daß ich es umsetzen könnte bei meinem Sohn nicht laut/wütend zu werden.
    Er ist jetzt 22 Monate alt und bringt mich täglich an meine Grenzen – manchmal erscheint es mir wirklich, dass er es mit Absicht macht.

    In manchen Situationen frage ich mich, ob er es darauf anlegt das ich laut werde.
    Ich muss auch noch dazu sagen, dass ich sogut wie keine Unterstützung von meinem Partner bekomme hinsichtlich unseres Sohnes.
    Leider habe ich auch seit der Geburt fast keinen Tag mal „frei“ gehabt – 24/7 ist unser Sohn um mich herum.

    Manchmal weiß ich nicht mehr weiter!!!

    1. Mel

      Hallo Nicole,

      ja, es ist nicht immer einfach, wenn Kinder Grenzen testen. Bei unserem Dreijährigen ist das momentan auch nicht immer einfach da ruhig und gelassen zu bleiben. Solltest du Unterstützung auf deinem Weg benötigen, dann kannst du mich gerne für eine Elternbegleitung buchen unter http://www.kleinermensch.net/impulse

      Liebe Grüße Melanie

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