Strafen und ihre Auswirkungen

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Wir alle haben einen angeborenen Selbsterhaltungstrieb und können uns mit gewissen Reaktionsmechanismen aus gefährlichen Situation retten. Doch wie sieht es bei Kindern aus, die sich vor Strafen und Gewalt schützen müssen?

Schon Kleinkinder sind in der Lage einen bestimmten Teil in ihrem Gehirn abzuschalten, um die psychischen Verletzungen durch Strafe, Demütigung, Kränkung und auch körperlicher Gewalt nicht mehr spüren zu müssen. Das unersetzliche Urvertrauen und die Sicherheit, so geliebt zu werden wie man ist, wird zerstört. Und auch das Selbstbewusstsein wird enorm geschwächt. Auf Dauer können sie diese Verletzungen nicht ertragen und müssen sich selbst schützen, um daran nicht kaputt zu gehen. Vor allem dann, wenn ihnen vermittelt wird, dass es nur zu ihrem Besten geschieht oder, dass sie selber die Schuld dafür tragen. Wir vermitteln dem Kind: “Du machst mich mit deinem Verhalten wütend und bekommst jetzt die rechte Strafe dafür!”. Die Kinder haben keine andere Chance sich davor zu retten und legen sich einen harten Panzer zu.

Und genau diese Desensibilisierung im Kindesalter bringt manchen Erwachsen später zu den Worten: “Ein Klaps hat noch niemanden geschadet”, “Stell dich nicht so an”, “Da mussten wir alle durch”, “Ein Indianer kennt keinen Schmerz” etc. Sprich, die Empathie für andere ist verloren gegangen. Eltern, die sich kaum in ihre Kinder hineinversetzen können, weil sie es nicht anders erlebten. Weil sie sich selbst abhärten mussten, um “da” durchzukommen. Bei all dem Schmerz, wen wundert da noch unsere heutige Ellenbogengesellschaft. Jeder für sich. Ohne Rücksicht auf Verluste. Wir leben in einer Welt, in der Gefühle zeigen als Schwäche gilt. Wie traurig. Wir können uns fragen, woher das kommt und ob wir etwas dagegen tun können und wollen? Wir könnten bei unseren eigenen Kindern damit anfangen und uns selbst wieder in die Einfühlung bringen!

Wir müssen verstehen, dass Strafen, ob körperlicher oder psychischer Art immer Wut im Körper abspeichern. Diese Wut wird dann bspw. an Geschwister ausagiert oder auch später im Erwachsenenalter an seinen eigenen Kindern. Wir wissen heute aus der neurobiologischen Forschung, dass Strafen den Zugang zu unseren Emotionen erschweren. Wir sind emotional taub geworden. Gefühlskalt. Wir fragen uns oft, warum Kinder so grausam zueinander sein können. Ich habe eine Idee, warum das so ist….

 

Durch Strafen erzeugen wir zusätzlich dauerhafte Ängste beim Kind. Es hat immer die nächste Strafe vor Augen. Die Beziehung ist nicht von Vertrauen geprägt, sondern von einer angespannten Atmosphäre.

Wenn wir uns empathische und selbstbewusste Kinder wünschen, dann sollten wir verstehen, dass Strafen nicht der richtige Weg sind. Sie machen das Kind klein und zeigen ihm, wie machtlos es ist. Wir missbrauchen unsere elterliche Macht, weil wir ihnen körperlich und auch geistig überlegen sind. Sie sind von uns abhängig und das machen wir uns zu Nutze. Das hat nichts mit Gleichwürdigkeit zu tun. Wollen wir empathische Kinder aufwachsen lassen, so sollten wir gute Vorbilder sein. Uns in sie hineinversetzen, um besser zu verstehen, was genau in diesem Moment mit ihnen vor sich geht, um dann mitfühlend auf sie reagieren zu können. Nur wenn sie diese Art und Weise von uns miterleben, werden sie auch empathisch auf andere Menschen zugehen können. Die Gefahr, dass sie andere Kinder unterdrücken, demütigen und kränken oder sich selbst Verletzungen (Ritzen, Bulimie) zufügen ist dann sehr gering.

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Wenn uns bewusst wird, dass wir unsere Kinder mit gewissen Verhaltensweisen strafen, können wir darauf achten, diese zu vermeiden.

 

Unter Arten von Strafen zählen beispielsweise:

  • Ignoranz und Isolation, bei vermeintlichem Fehlverhalten
  • Zwang ausüben und Willen brechen, um die eigenen Interessen durchzusetzen
  • Kontrolle ausüben, weil wir nicht genug vertrauen
  • Belohnungen, lassen wir die Belohnung ausfallen wirkt dies wie eine Strafe
  • Kritisieren und belehren, weil wir es “besser” wissen und formen möchten
  • Macht ausüben, weil wir die Stärkeren sind

Wir strafen aus Hilflosigkeit, Überforderung und, weil wir es selbst erlebten. Das Kind soll funktionieren, so wie wir es gern hätten. Doch führen Strafen nur kurzfristig zum gewünschten Verhalten.

Bis zur Pubertät scheint uns diese Vorgehensweise zu helfen. Wir spüren zwar, dass die Beziehung zum Kind besser sein könnte, kommen aber aus dem Teufelskreis nicht heraus. Sobald unsere Kinder aber emotional nicht mehr so abhängig von uns sind, werden wir mit unserem strafenden Verhalten nicht mehr weiterkommen. Ab dem Alter der Pubertät werden die Machtkämpfe stärker. Unser Kind ist ein kleiner Erwachsener, der sich nichts mehr gefallen lassen wird. Ob wir dann noch die Beziehung zum Kind retten können ist sehr fraglich.

 

Wir können also von Anfang an darauf achten:

  • die eigenen Grenzen und Einstellungen zu hinterfragen
  • unsere elterliche Macht nicht zu missbrauchen und unser Kind gleichwürdig zu behandeln
  • dem Kind Freiräume zur Selbstfindung und Selbstwirksamkeit zugestehen
  • die Grenzen des Kindes zu achten - auch die körperliche
  • unserem Kind Wertschätzung entgegenzubringen
  • authentisch gegenüber unserem Kind zu sein - unsere Gedanken und Gefühle mit ihm zu teilen
  • uns in unser Kind hineinzufühlen, vor allem, wenn wir selbst psychische und physische Gewalt erlebt haben
  • uns evtl. therapeutische Hilfe holen

und vor allem: unser Kind so anzunehmen, wie es ist.

Es ist perfekt, so wie es zur Welt gekommen ist!

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