Was Kinder (nicht) brauchen

kinderzimmer

Viele werdende Eltern stellen sich vor oder während der Schwangerschaft die Frage, was sie alles für den Neuankömmling benötigen, wenn er auf der Welt ist. Wir wälzen Babykataloge, suchen im Internet und in Babygeschäften nach vielen “nützlichen” Utensilien, damit wir unserem Baby nur das Beste bieten können. Wir statten das Kinderzimmer liebevoll mit Kinder- und Himmelbett, einer Wiege, einer Wippe, und einem Laufgitter aus. Wir kaufen viele Plüschtiere zum Kuscheln und Plastikspielzeug was diverse, meist schrill-quietschende Töne von sich gibt und welches gleichzeitig einen fördernden Lerneffekt beim Baby hervorrufen soll. Wir wollen es dem Baby einfach nur gemütlich machen und für viel Abwechslung sorgen, damit keine Langeweile aufkommt. Wir kaufen einen Kinderwagen, den wir dann mit zig Spielanhängern und Ketten versehen, damit sie sich während der Fahrt immer schön beschäftigen können. Wir kaufen Mengen an Wegwerfwindeln und süßen, neuen Babyklamotten.

 

Doch ist es all das, was unsere Kinder in Wirklichkeit brauchen?

Die oben aufgezählten Dinge sind es meiner Meinung nach jedenfalls nicht. Sie brauchen weder ein eigenes Kinderzimmer noch ein eigenes Kinderbett, in dem sie dann ganz alleine liegen, sondern wir können sie genauso mit bei uns im Familienbett oder in einem Beistellbettchen schlafen lassen - immer ganz in unserer Nähe. Viele denken, Kinder bräuchten ihr eigenes Zimmer und Bett, um schnell in die Selbständigkeit zu finden, aber eher das Gegenteil ist der Fall. Wenn wir die Abhängigkeit unserer Kinder begreifen, annehmen und respektieren, gelangen sie später zu wahrer Unabhängigkeit und Selbständigkeit - von ganz allein.

Ebenso wenig benötigen unsere Kinder eine Wippe, die wie eine schaukelnde Mutterattrappe wirkt. Und sie brauchen auch kein eingrenzendes Laufgitter (“Kindergefängnis”), wo sie ihre motorischen Fähigkeiten nicht wirklich ausleben können, ihre Umwelt nicht entdecken und erforschen können. Ein Laufgitter schafft Distanz, wo doch Nähe und Verbindung sein kann. Sie benötigen auch keinen Kinderwagen. Der ist weder gut, um mit unserem Kind in Verbindung und Kommunikation zu bleiben, noch trägt er zu einer positiven Entwicklung des Babyrückens bei. Kinder sind Traglinge. Sie sind von Natur aus dafür gemacht von ihren Eltern getragen zu werden. Dies ermöglicht einen intensiven Austausch. Wir haben unser Baby durch ein Tragetuch immer direkt an uns dran und können besser auf seine Bedürfnisse eingehen, mit ihm kommunizieren und haben immer beide Hände frei. Tragen schenkt Geborgenheit, Wärme und wirkt sich positiv auf die Motorik aus. Der Rundrücken bleibt erhalten und die Hüften können sich durch die Anhock-Spreiz-Stellung optimal entwickeln.

Ebenfalls können wir auch auf Wegwerfwindeln verzichten und unser Baby abhalten bzw. Stoffwindeln zum Wickeln benutzen. Diese kann man nach Gebrauch auch noch weiterverkaufen. Etwa 75 % der Weltbevölkerung nutzen keine müllproduzierenden Wegwerfwindeln! Die Babys werden ganz intuitiv abgehalten. Das hat zum Einen den Vorteil, dass wir immer in Kommunikation mit unserem Baby sind und zum Anderen, dass wir eine Menge an Müll sparen - der Umwelt zuliebe. In China sind es rund 94 %, die auf Wegwerfwindeln verzichten und ihre Babys in sogenannte Splitpants (Schlitzhosen) stecken. Wenn die Kinder unterwegs mal müssen, dann hocken sie sich einfach hin und lassen laufen.

Bei Babykleidung haben wir es meist so gemacht, dass wir gute Second-Hand-Ware gekauft haben. Das hatte einerseits den Vorteil, dass die giftigen Chemikalien weitestgehend raus gewaschen waren und andererseits haben wir enorm viel Geld gespart im Gegensatz zum Kauf neuer Babykleidung.

Ein Baby braucht in erster Linie viel, viel Körperkontakt, am Besten 24 Stunden am Tag. Es braucht kein quietschendes Spielzeug, sondern einfach die weiche Stimme seiner Eltern, die ihm beispielsweise ein schönes Lied vorsingen oder sich normal - ohne Babysprache (“eitutzitu”) - mit ihm unterhalten. Sie müssen auch nicht in irgendeiner Weise gefördert werden, da sie alle Dinge von alleine lernen. Sie lernen sich auf den Bauch zu drehen, zu krabbeln, zu laufen, zu hüpfen, zu springen, zu werfen und auch zu sprechen. Und wenn man sie lassen würde, würden sie es auch von alleine in den Angriff nehmen und sich das Lesen und Schreiben beibringen. Jedes Kind ganz individuell in seinem eigenem Tempo.

Sie brauchen die wärmende und nährende Muttermilch und die damit einhergehende Geborgenheit. Und wenn sie mit ca. 6 Monaten in das Beikostalter kommen, können wir uns den Kauf der teuren und schweren Babygläschen und Breipulver ersparen, indem wir unser Kind einfach mit vom Tisch essen lassen.

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Das sogenannte Baby led weaning (zu deutsch: breifrei) führt unser Kind nach und nach in die normale Nahrungsaufnahme ein. Anstatt unser Kind zuerst an die geschmacklose, übersüßte und industriell gefertigte Nahrung zu gewöhnen, kann es doch gleich bei uns am Tisch mitessen. Dafür kann man ihm eine Palette an verschiedenen Lebensmitteln hinstellen, aus denen es sich dann etwas aussuchen kann, wie beispielsweise diverse Gemüsesorten aus dem Ofen. Es kann frei entscheiden, was es essen möchte, kann das Essen in die Hand nehmen und erforschen und vor allem kann es selbstbestimmt Essen. Es muss sich nicht von uns den Löffel in den Mund schieben lassen. Es ist manchmal kein Wunder, dass es gewisse “Essensprobleme” bei Kindern gibt, die zuerst an das industriell gefertigte Essen gewöhnt wurden.

Gehen wir von den normalen evolutionsbedingten Bedürfnissen unserer Kinder aus, ist Körpernähe, Liebe, Geborgenheit und Wertschätzung das Wichtigste, was sie benötigen. Alles andere ist meist Geldmacherei der Industrien, die uns ihre angeblich unersetzlichen Produkte verkaufen möchte. Es hat Jahrtausende auch ohne geklappt - und bei indigenen Völkern wird all das auch heute nicht benötigt. Sie tragen und stillen ihre Babys. Die Kinder beschäftigen sich mit “Spielzeug” aus der Natur. Und das ist das, was vielen unserer Kinder heutzutage fehlt: eine gesunde Beziehung zur Natur und zu sich selbst.

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