Für einen besseren Umgang – Kinder leichter verstehen Teil I

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Seitdem ich Mama bin und mich mit dem bindungs- und bedürfnisorientiertem Umgang beschäftige, fallen mir zunehmend Verhaltensweisen mancher Eltern auf, die ich als nicht wünschenswert empfinde. Ich möchte in den folgenden Teilen einige Situationen schildern, die ich so auf Spielplätzen, Mutter-Kind-Cafés oder auf der Straße erlebt habe, die ich sehr bedenklich finde. Ich freue mich, wenn ihr fleißig kommentiert und mir eure Sichtweise dazu darlegt. 

Eine bestimmte Art von Manipulation und Drohung, die mir sehr häufig auf Spielplätzen begegnet, ist die Ankündigung, dass die Mutter oder der Vater gleich alleine gehen, wenn das Kind nicht sofort mitkommt! Doch was löst diese Drohung im Kind aus? Sie deutet dem Kind an, dass seine Mutter oder sein Vater es hier an Ort und Stelle alleine zurücklassen würden. Soll das der richtige Weg sein, um sein Kind zum Mitgehen zu animieren? Unsere Kinder sind vollkommen abhängig von uns, wir sollten diese Macht nicht ausnutzen, um das Kind zu einer, von uns gewünschten Handlung zu drängen. Wir lösen mit solchen Drohungen in unserem Kind Verlassenheitsängste aus - und deshalb funktioniert das Ganze leider auch. Das Kind fängt meist an zu weinen und rennt seinem Elternteil hinterher. Doch das Vertrauen des Kindes in seine Eltern schwindet dadurch. Wie sollte es jemanden vertrauen können, der androht es zu verlassen? Unser Kind ist an uns gebunden und wir haben die Aufgabe ihm stets das Gefühl der Sicher- und Geborgenheit zu geben.

Um dem vorzubeugen, können wir unser Kind in etwa 5-Minuten-Abständen darauf vorbereiten, dass wir bald gern nach Hause möchten. Wir dürfen nicht vergessen, dass Spielen alles für unsere Kinder ist. Sie vergessen darüber hinaus, dass sie hungrig sind, Durst haben, auf die Toilette müssen und auch, dass sie müde sind. Sie haben einen enormen Spieldrang, dem sie unbedingt nachgehen müssen. Aus ihrem Spiel erschließen sie sich ihre Welt. Sie forschen, entdecken, probieren aus, wie dies und jenes funktioniert und das oft mehrere Male in Folge.

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Maria Montessori nennt diesen Vorgang die “Polarisation von Aufmerksamkeit”. Kinder sind dazu in der Lage sich voll und ganz einer Betätigung zu widmen und diese mehrmals zu wiederholen. Sie entwickeln dadurch ihre Intelligenz und Persönlichkeit aus.

“Die Polarisation der Aufmerksamkeit, die die Fähigkeit der tiefen Konzentration während der Beschäftigung mit einem selbstgewählten Gegenstand bedeutet, stellt nach Montessoris Auffassung den bedeutendsten Faktor im Aufbau des Kindes dar. Die kindliche Konzentrationsfähigkeit gilt als Voraussetzung für Lernprozesse und als Fundamentalphänomen zur Aneignung von Bildung.” *

Wir können diesen Prozess stärken, indem wir unsere Kinder in ihrem Spiel nicht stören und sie einfach spielen lassen. Müssen wir denn wirklich jetzt sofort nach Hause? Können wir nicht etwas mehr Zeit für unser Kind einplanen, damit es sein Spiel beenden kann?

Eine Möglichkeit, den Fokus auf unser Bedürfnis zu legen, haben wir indem wir uns vorsichtig in das Spiel unseres Kindes mit hineinspielen, es sozusagen abholen, jedoch nur, wenn wir merken, dass es gerade nicht allzu sehr vertieft ist.

Spielt es gerade Kapitän, dann werden wir zum Piraten. Baut es gerade eine Sandburg, dann helfen wir ihm dabei einen Graben zu bauen. Ahmt es gerade mit seinem Auto einen Unfall nach, sind wir der rettende Notwagen. Wir gehen zuerst mit unserem Kind in Beziehung, bevor wir unser Bedürfnis zu gehen äußern. Bei meinem Sohn konnte ich selbst schon oft genug diese Erfahrung machen. Geh ich zuerst mit ihm in Beziehung, kooperiert er viel besser. Tauch ich zuerst in sein Spiel mit ein, lässt er sich danach viel leichter auf meine Forderungen ein, lässt sich anziehen oder folgt mir.  

Vielleicht möchte unser Kind auch noch nicht mit uns mitkommen, weil es sich schon den ganzen Tag gehetzt fühlt. Vielleicht wollte es heute schon mehrmals sein Spiel beenden, konnte dies aber aus diversen Gründen nicht. Der Alltag für unsere Kinder kann mitunter schon sehr stressig sein. Morgens aufstehen, frühstücken, Zähne putzen, anziehen und losgehen - da bleibt kaum Zeit für Kindsein. Spätestens in der Schule beginnt der Ernst des Lebens. Sie dürfen nicht mehr so spielen, wie sie es eigentlich möchten und brauchen. Wir als Eltern können dem Tag eine Struktur geben und eventuelle Zeitreserven locker machen.

Lassen wir ihnen die Zeit, um ihrem Spielbedürfnis nachzugehen.

* Quelle: http://www.montessori-augsburg.org/schule/paedagogik/aufmerksamkeit/

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