Das Merkmal „Hochsensibilität“ in tiefer Verbindung betrachtet

Hochsensibilität

Das Persönlichkeitsmerkmal der Hochsensibilität ist zunehmend im Gespräch. Geprägt wurde der Begriff „Highly Sensitive Person (HSP)“ durch die amerikanische Psychologin Elaine Aron in den 90er Jahren, doch mittlerweile hat es sich zu einem global genutzten Konzept entwickelt und wurde auch in den deutschsprachigen Raum übertragen („HochSensible Person“). Tippt man „HSP“ in Google ein, so finden sich eine Menge an Internetseiten, Informationen, Selbsttests und Angeboten.

Genau aus diesem Grunde möchte ich in meinen Beiträgen versuchen, etwas andere Facetten der Thematik zu beleuchten.Nach einem kurzen Überblick über das Konzept „HSP“, möchte ich Euch aus meinen eigenen Erfahrungen und Beobachtungen dazu berichten. Ich habe in meinem Leben so ganz nah an und mit der Natur in den Weiten Australiens, spannende und tiefgehende Erkenntnisse sammeln dürfen, die ich mit Euch teilen werde.

Die Geburt meines Sohnes im letzten Jahr und die neue Situation als hochsensible Mama, stellten alle vorherigen Erlebnisse in den Schatten. Meine folgenden zwei Blogartikel beschäftigen sich aus diesem Grunde zunächst mit der Situation hochsensibler Elternschaft und zum Abschluss werde ich Euch herzfokussierte Anregungen zum Umgang mit unserer Hochsensibilität - besonders in der Interaktion mit unseren Kleinen- geben.Zunächst möchte ich Euch gerne erläutern, was man unter dem Begriff „HSP“ versteht:Eine hochsensible Person (HSP) bezeichnet einen Menschen, der laut Literaturdefinition eine höhere Empfindlichkeit in der Reizverarbeitung besitzt. Es wurden bereits Untersuchungen unter Einbezug bildgebender Verfahren durchgeführt, um die neuronalen Vorgänge hochsensibler Menschen besser verstehen zu können. Es zeigte sich hierbei, dass das Dasein als HSP mit einer erhöhten Aktivität bestimmter Zentren im Gehirn einherzugehen scheint. Diese Zentren sind vorrangig für emotionale Prozesse, Empathie und sensorisch-motorische Verarbeitung zuständig. Dabei wurde auch eine stärkere Tendenz für die Verarbeitung fröhlicher Emotionen festgestellt, sowohl im Bezug auf nahestehende als auch fremde Personen. Das könnte die häufig zu beobachtende Harmoniebedürftigkeit hochsensibler Menschen mit erklären, aber weitere Untersuchungen zu den gesamten Zusammenhängen sind von Nöten.

Fakt ist, dass das Konzept nicht nur eine Theorie darstellt, sondern sich nun dank wissenschaftlicher Methoden als messbarer Unterschied festhalten lässt. 15-20% der Bevölkerung sind laut aktueller Schätzungen von diesem Phänomen betroffen. Es wird davon ausgegangen, dass es sich um ein angeborenes Merkmal handelt. Des Weiteren haben hochsensible Eltern häufiger hochsensible Kinder. Deshalb gibt es Vermutungen, dass es sich zusätzlich auch um einen vererbten Faktor handeln könnte.

Was sind typische Anzeichen für eine HSP?

Das Spektrum ist breit gefächert und vielschichtig in seiner Ausprägung. Beispiele für Anzeichen eines erhöht sensiblen Nervenkostüms sind Überforderung durch viele sensorische Reize, starke Empfänglichkeit für die Emotionen der Umgebung, intensive Vorstellungsgabe, Stress bei zu vielen gleichzeitigen Anforderungen, ausgeprägter Gerechtigkeitssinn, Kreativität und ein Gespür für die Feinheiten des Seins. Das ist nur ein kleiner Ausschnitt und die hier genannten Aspekte können natürlich auch im Rahmen anderer Zusammenhänge vorkommen. Wenn Du genauer wissen möchtest, ob „HSP“ auch auf Dich zutreffen könnte, so kann ich Dir z.B. den Test auf der Website des Vereines „Zart besaitet: Verein zur Förderung hochsensibler Menschen“ nahelegen. https://www.zartbesaitet.net/.

In vielen Artikeln, die im Internet zu finden sind, geht es um den Lernprozess, HSP als Gabe für sich anzunehmen, statt es als „Fluch“ zu betrachten. Ich gehe in meinen Überlegungen noch einen Schritt weiter. Etwas als Gabe oder Fluch zu sehen und HOCHsensibel zu nennen hat auch etwas damit zu tun, es als abnorm - also von der Norm abweichend - zu sehen. Doch was ist, wenn die eigentliche Frage lautet:

HSP- besonders anders oder besonders normal?

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Wie komme ich zu meiner Theorie? 
Nun, ich lebe mit meiner Familie sehr stark im Rhythmus der Natur und ich durfte über die Jahre lernen, dass alles in der Natur auf den gleichen Prinzipien wie jenen der Hochsensibilität basiert. Wenn wir in den Zustand kommen, alles zu spüren, was JETZT geschieht, dann sind wir auf dem Gipfel unserer Sensibilität und im Fluss des Seins. Die Natur ist unsere weise Lehrerin, unsere Quelle. Beobachtest Du wild lebende Lebewesen oder sprichst zu Menschen, die sehr intensive Naturerfahrungen gemacht haben, so ist ihnen gemein, dass sie jede Schwingung wahrnehmen, jede Regung in der Umgebung lesen und gleichzeitig friedvoll mit Mutter Erde leben können. Alles entspringt aus dem Jetzt heraus, ist geleitet von Instinkt und Intuition. Hochsensibilität ist hier nicht besonders, sondern der Normalzustand und überlebenswichtig. Ich würde die Begrifflichkeit in diesem Sinne von „hoch-sensibel“ zu „ tief-verbunden“ abändern. Reizüberflutungen wie wir sie in unserem zivilisierten Leben kennen, kommen in der Natur so eigentlich nicht vor. Wir haben selten Menschenansammlungen, laute Geräuschkulissen oder Multitasking-Aufgaben, die hinter dem dritten Baum rechts im Wald auf uns warten. Nein, da treffen wir nur vereinzelte, andere Lebewesen, Bäume und Gräser. Alles geschieht nacheinander bzw. wir haben einen Hauptfokus.

So frage ich mich nun, ist es möglich, dass HSP überhaupt nicht anders, sondern ganz und gar normal ist? 

15-20 % ist die geschätzte Anzahl- doch was wäre, wenn wir jedes Neugeborene auf Sensibilitätsanzeichen untersuchen würden? Vielleicht haben nicht nur HSP-Eltern HSP-Kinder, sondern wir alle. Ja, natürlich unterliegt ein solches Merkmal „Sensibilität“ einer Normalverteilung mit unterschiedlichen Ausprägungen, aber was, wenn wir im Zustand der Verbundenheit auf die Welt kommen und dieser Kanal dann durch unsere naturfernen Lebensumstände zugeschüttet wird? Ich habe persönlich für mich und in der Begleitung vieler Menschen erlebt, wie eine Rückkehr zu unserem Ursprung in jedem Einzelnen Aspekte sogenannter HSP freigegelegt hat. Bei manchen mehr, bei manchen in geringerem Umfang, aber es geht hierbei ja nicht um Konkurrenz. Ich selbst erlebte es in meinem eigenen Prozess wie eine Art Wiedererwachen. Selbstverständlich war meine Sensibilität die ganze Zeit vorhanden und in meinem Beruf als Psychotherapeutin auch bestens genutzt. Doch ich hatte nur die Hälfte meiner feinen Sinne genutzt, nämlich jene, die für die anderen Menschen zuständig waren. Für mich selbst habe ich die Antennen runterfahren müssen, denn das anforderungsstarke, genormte, Leben nach der Uhr hatte mich bereits zu sehr beansprucht. Allerdings war mir das bis dato gar nicht wirklich bewusst gewesen.

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Doch hier in Australien traf ich auf die wilde Natur und sie entfachte mein inneres Feuer. Auf einmal konnte ich nicht nur so viel wahrnehmen, sondern ich konnte es LEBEN! Eine wilde Stute lehrte mich, was es heißt ganz bei sich zu sein und genau dann mit allem in Verbindung zu treten. Andersherum als ich es sonst lebte. In Deutschland war ich, dank meines feinen Gespürs, ganz bei  meiner Umgebung und eben viel zu wenig bei mir. In meiner Auffassung ist das aber auch durchaus ein gesellschaftliches Grundproblem, denn der sensible Blick auf uns selbst ist zumeist nicht erwünscht. Und so erlischt unsere innere Flamme nach und nach… und dann- so stelle ich eine provokante These auf - erscheinen nur noch 15-20 % der Bevölkerung überdurchschnittlich feinsinnig zu sein, denn die anderen 80-85 % mussten ihre Flamme schon von kleinauf ersticken, um mithalten zu können. Seit ich meinen Lebensmittelpunkt nach Australien verlegt habe, konnte ich sehr viel über die wahre Verbindung zwischen Sensibilität und Sein lernen. Meine Intuition, meine Feinsinne, sind hier absolut richtig. Ich lebe ein Leben, in welchem ich so ziemlich jede Entscheidung von meinem Bauchgefühl abhängig machen kann und dadurch innere Integration gefunden habe. Doch dazu muss man weder auswandern, noch drastische Veränderungen in seinem Leben vornehmen. Nein, ich habe verstanden, dass es die innere Anerkennung und Befreiung war, die so heilsam wirkte.

Zu verstehen, dass HSP NICHT FALSCH, ANDERS ODER BESONDERS IST, SONDERN EIN GANZ NORMALES LEBEN IM EINKLANG MIT DER NATUR- ES IST DER URZUSTAND DES SEINS.

Und ich ermutige jeden, einmal in diese kraftvolle Botschaft hineinzufühlen.

Hinterlasst mir gerne einen Kommentar mit Euren Empfindungen, Erlebnissen und Gedanken. Wünschst Du Dir auch Dein inneres Feuer wieder zu entfachen und Dich selbst in Deiner Gesamtheit annehmen zu können? Gerne begleite ich Dich entweder hier vor Ort in Australien im Rahmen eines Retreats oder in einer Online-Beratung.

www.anahataretreataustralia.com

Lies im nächsten Beitrag über die Besonderheiten der hochsensiblen oder besser tief verbundenen Elternschaft.

Deine Sonja Lynch

Foto_Sonja

Sonja Lynch ist in Deutschland geboren und aufgewachsen, lebt seit 2015 jedoch in Australien. Dort lebt sie auf der Familienfarm ihres Mannes. Sie züchten u.a. Rinder, haben frei lebende Pferde und erleben die Magie der Natur auf täglicher Basis. Seit 2018 bereichert ihr gemeinsamer Sohn das Familienleben. Ein Glück, welches mit Worten kaum zu beschreiben ist. Beruflich ist Sonja Diplom-Psychologin sowie Kinder-und Jugendlichenpsychotherapeutin. In diesem Beruf arbeitete sie in Deutschland die Jahre vor ihrer Auswanderung und aktuell bemüht sie sich um die australische Anerkennung.

Des Weiteren hilft sie Menschen im Rahmen eines Retreatangebotes, oder auch einer Onlineberatung, zurück zu ihrer Herzverbindung zu finden. Mehr dazu unter
www.anahataretreataustralia.com

FB: Anahata Retreat Australia Sonja Lynch

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