Unser Weg zur bindungsorientierten Elternschaft

Darüber, was Bindung ist und wie man sie stärken kann, habe ich bereits auf meiner Webseite ausführlich geschrieben. Nun ist es so, dass jeder einzelne von uns seinen eigenen Weg in die bindungs- und bedürfnisorientierte Elternschaft gefunden hat. Hier möchte ich euch nun berichten, wie wir dazu kamen...

Das Thema Bindung begann mich schon vor der Geburt meines Sohnes zu faszinieren. Mein erstes Buch in diese Richtung war von Jean Liedloff "Auf der Suche nach dem verlorenen Glück". Danach folgten "Geborgene Babys: Beziehung statt Erziehung" von Julia Dibbern und "Unsere Kinder brauchen uns" von Gordon Neufeld. Diese Bücher öffneten mir die Augen. Sie zeigten mir, dass wir uns in mancherlei Hinsicht bei der Betreuung unserer Kinder auf einem Irrweg befinden. Ohne sie wäre ich auf meinem Irrweg geblieben und ich bin froh darum sie gelesen zu haben. Sie zeigten uns, was Babys wirklich brauchen: bedingungslose Liebe und Fürsorge, auch bedürfnisorientierte Elternschaft oder im Englischen attachement parenting genannt. Ihnen Liebe, Geborgenheit und Vertrauen zu schenken – denn damit kann man sie nicht "verwöhnen".

Wir entschieden uns dafür eine Tragehilfe zu kaufen und keinen Kinderwagen. Wir bauten uns ein Familienbett, anstatt ihn in sein eigenes Zimmer zu stecken. Ich habe selbstbestimmt im Geburtshaus entbunden, anstatt im Krankenhaus, um uns allen drei einen ruhigen Start als Familie zu schenken. Wir entschieden uns dafür auf Wegwerfwindeln zu verzichten und hielten ihn stattdessen über ein Töpfchen ab und ergänzten mit Stoffwindeln - welche die Umwelt und seinen Popo schonten.

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Anstatt nach festen Zeitplan zu stillen, stillte ich ihn sobald er es wollte und er schlief ruhig und zufrieden auf meinem Arm ein. Die ersten Monate schlief er immer dort, wo auch wir uns aufhielten und wachte somit nie alleine auf. Als er etwas älter war, begleitete ich ihn abends weiterhin in den Schlaf im Familienbett und war immer schnell da, sobald er nur einen Mucks machte. Wir praktizierten breifrei (baby led weaning) und ließen ihm bei uns am Tisch mitessen, sodass er selbstbestimmt essen und erforschen konnte, anstatt ihm mit 4 Monaten Löffel in den Mund zu schieben, nur weil es auf irgendwelchen Breigläschen steht. Wir gaben ihn nicht in die Krippe, sondern betreuen ihn selber, weil ich nun weiß, dass eine tief verwurzelte Bindung 5-6 Jahre dauert und vor allem die ersten 3 Jahre sehr bedeutsam sind und ich bin sehr froh darum, dass wir diesen Weg gehen können. Um Emilian trotzdem viel Kontakt mit anderen Kindern zu ermöglichen, erschufen wir uns einen Familiengarten -  eine Art Eltern-Kind-Büro für selbst betreutes Arbeiten. Dieser befindet sich in Berlin Köpenick in einer alten Grundschule. Wir halten uns dort regelmäßig auf und genießen die Natur - den Bach, den Wald, die Wiese und die Badestelle an der Müggelspree ist auch fantastisch.

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Während all dieser Zeit informierte ich mich gleichzeitig auch im Netz zum Thema Bindung und kindlicher Entwicklung. Irgendwann begann ich Fachbücher zum Thema Bindung von Grossmann & Grossmann und Brisch zu verschlingen. Sie bestärkten unser Gefühl, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Ich nahm an Online Kongressen teil. Von der Bindung zur freien Bildung von Lena Baum, Beziehung statt Erziehung von Katharina Walter, Wieder Kind sein von Kristina Frank. Die Kongresse waren für mich eine echte Bereicherung in vielerlei Hinsicht. Ich habe viel zu Themen wie unerzogen, freilernen, strafen und belohnen erfahren dürfen. Mir wurde noch klarer, dass man Kinder nicht in irgendeine Richtung lenken muss, sondern dass sie ihren eigenen Weg gehen und wir sie lediglich dabei begleiten und vor Gefahren schützen. Dass sie weder belohnt noch bestraft werden müssen nur um aus ihnen “gute” Menschen zu machen.  Was die Frühförderung anbelangt, wurde mir im Bildungskongress von Lena vor allem eines bewusst, und zwar, dass Kinder jeden Tag, jede Stunde, Minute und Sekunde von sich aus lernen. Sie saugen alles auf. Und zwar vor allem das, was sie besonders interessiert - für was sie "brennen". Ihre natürliche Neugierde hilft ihnen dabei sich selbst zu entfalten und weiterzuentwickeln.

Ein für mich beispielloses und abschreckendes Buch, was Kindererziehung anbelangt, war von Johanna Haarer "Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind". Das genaue Gegenteil von bedürfnisorientierter Beziehung. Leider verkaufte sich das Buch nach dem Erscheinen 1934 bis zum Jahre 1988 satte 1,2 Millionen mal.  Sie verglich die Geburt mit einem Schlachtfeld und die Zeit danach mit einem Kampf. Babys werden im Buch als kleine unerbittliche Haustyrannen beschrieben, deren Willen es zu brechen gilt. Laut Haarer sollten die Babys nur nach einem festen Zeitplan gestillt werden und nicht nach Bedarf. Ihnen wurde der Körperkontakt entzogen und auch schreien lassen war für Haarer normal. Nur nicht nachgeben und hart bleiben sollte die deutsche Mutter. Nur nicht zuviel Liebe und Geborgenheit geben, sonst wird das Kind verweichlicht. Es sollten ja auch schließlich neue Soldaten aufgezogen werden. Ich denke viele Generationen hatten unter diesem Buch zu leiden.

Auch ich war am Anfang auf dem Holzweg, was das Aufwachsen und die Betreuung von Kindern anbelangt. Denn ich hatte irgendwann in meinem Leben aufgeschnappt, dass Babys lernen müssten alleine in den Schlaf zu finden. Ich hätte meinen Sohn vielleicht auch geferbert, aber ich fühlte, dass da etwas nicht richtig sein kann und fing an mich darüber zu informieren. Ferbern ist eine Einschlafmethode, bei der man das Kind immer länger alleine im Bett lässt, bis es nicht mehr nach einem schreit sondern resigniert. Bei meinen Recherchen stieß ich dann auf das o. g. Buch von Jean Liedloff. Zum Glück, sonst hätte ich vielleicht alte Erziehungsmuster übernommen, ohne sie zu hinterfragen. Und darum geht es doch letztendlich. Fühlt es sich für mich gut an, wenn mein Baby alleine in seinem Zimmer nach mir schreit? Nein! Nur viele haben verlernt auf ihre Intuition zu hören. Auch ich. Wir wurden in die Richtung erzogen unsere Gefühle nicht preiszugeben, sie zu unterdrücken und dadurch sind manche auch nicht in der Lage die Gefühle der anderen wahrzunehmen. Und auch ich bin immer noch dabei den richtigen Weg für uns zu finden - jeden Tag.

Aber ich bin guter Hoffnung! Immer mehr Eltern werden wach und gehen einen besseren, liebevolleren Weg gemeinsam mit ihren Kindern.

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Lasst uns zusammen wie die hellen und warmen Sonnenstrahlen sein, die sich hinter einer dunklen Wolke auftun und stückchenweise das Land mit Sonnenschein erleuchten. Lasst uns zusammen dafür sorgen, dass Kinder wieder Kinder sein dürfen und sie behutsam und selbstbestimmt aufwachsen dürfen.

Es ist für mich zum Herzenswunsch geworden andere Eltern für das Thema Bindung zu sensibilisieren und zu informieren, was Babys wirklich brauchen um zu selbständigen, emotional offenen, psychisch robusten und sozialen Menschen zu werden, sodass ich mich dazu entschieden habe meine Webseite ins Leben zu rufen.

Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr uns auf unserem weiteren Weg begleitet und wenn ihr uns vielleicht euren Weg zur bindungsorientierten Elternschaft erzählt!

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