Autonomiephase und emotionale Entwicklung – wenn zwei Entwicklungsphasen aufeinanderprallen

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Seit ein paar Monaten gerät mein Sohn in bestimmten Situationen außer Rand und Band. Er will Dinge selber probieren, zu denen er aber leider noch nicht fähig ist. Sei es körperlich, motorisch oder geistig. Er möchte sich bspw. selber ausziehen und gerät da schonmal an seine Grenzen. Er befindet sich mitten in der Autonomiephase, auch bekannt als negativ besetzte “Trotzphase”. Manchmal hat er sich gerade etwas vorgenommen und ich muss ihn in seiner Tätigkeit unterbrechen oder ihn davon abbringen, weil es einfach zu gefährlich ist. Das macht ihn wütend, traurig und hilflos und ich muss ihn dann dadurch begleiten so gut ich nur kann. Ihm erklären, warum er dies oder jenes nicht darf bzw. noch nicht kann. Aber bringen rationale Erklärungen unser Kind weiter? Wird es die Begründung akzeptieren?


Kinder in der Autonomiephase entwickeln einen starken Willen und möchten ihre, sich in den Kopf gesetzten Dinge durchführen. Das Kind macht erste “Ich”-Erfahrungen und verlässt langsam die Mutter-Kind-Symbiose. Es spürt, dass es ein eigenständiges Lebewesen ist und möchte Dinge selbst machen und entscheiden. Es möchte seinen Selbstwirksamkeit spüren. Es möchte sich die Welt erobern, verstehen, lernen und alles wie die Großen machen.

Gerade nach dem ersten Lebensjahr, wo alles noch einfach schien, geraten wir dann oft in typische Erziehungsmuster und bauen Wände aus “Neins” auf, anstatt eine Ja-Umgebung anzubieten. Durch diese “Neins” wird unser - nach Autonomie strebendes - Kind wütend und kann sich nicht anders helfen, außer uns lautstark zu zeigen “Hilfe, ich komme hier nicht weiter. Ich bin überfordert, mit mir und der Situation”! Was diese typische Erziehung, die die meisten von uns erlebt haben mit deinem Kind macht, kannst du gerne hier nachlesen.

Parallel zur Autonomiephase beginnt die Phase der emotionalen Entwicklung! In der emotionalen Entwicklung unserer Kinder geht es, wie schon der Name sagt, vorrangig um die Entwicklung der Emotionen (limbisches System im Gehirn) und nicht des Verstandes oder der Vernunft (Neokortex). Also werden unserem Kind Appelle an seine Vernunft nicht weiterhelfen. Es wird so doll von seinen Gefühlen, die völlig neu für es sind, überrumpelt und weiß nicht mehr ein noch aus. Es befindet sich in einer emotionalen Notlage und findet noch keine anderen Handlungsalternativen bzw. kann sich auf andere Vorschläge schlecht einlassen. Sein Verstand wird von seinen Gefühlen blockiert.

Schmeißen sich Kinder auf den Boden und weinen und schreien, erleiden sie gerade einen “Nervenzusammenbruch”. So könnte man es am Besten beschreiben. Wut, Trauer, Hilflosigkeit und Enttäuschung stehen in diesem Moment im Vordergrund und es ist ihnen wehrlos ausgeliefert. Es möchte auf der einen Seite selbstständig werden und sich von den Eltern nach und nach ablösen und auf der anderen Seite kommt es das erste Mal in Kontakt mit sehr starken Emotionen, die es überwältigen. Es verliert völlig die Kontrolle und kann sich alleine nicht mehr aus diesem schwierigen Gefühlsmix befreien. Nicht selten kommt es dann auch zu Handgreiflichkeiten gegenüber uns Eltern, den Geschwistern oder anderen Kindern auf dem Spielplatz. Es wird gehauen, gebissen und getreten. Wir können uns in diesen Momenten bewusst machen, dass es nichts dafür kann. Es muss den Umgang mit diesen Gefühlen erst noch lernen. Wir dürfen dieses Verhalten auf keinen Fall persönlich nehmen.

Beide Entwicklungen beginnen ca. am Ende des 2. Lebensjahres. Das ist aber von Kind zu Kind unterschiedlich. Diese Wutanfälle sind auch abhängig von Charakter und Temperament. Wir dürfen diese Entwicklungen nicht verteufeln. Sie sind wichtig und normal. Es sollte uns eher zu denken geben, wenn unser Kind dieses Verhalten nicht zeigt.

 

Natürlich ist diese Zeit kein Zuckerschlecken für uns Eltern. Wir fühlen uns auch hilflos und überfordert. Manchmal auch unter Druck durch das gesellschaftliche Umfeld. Blicke, die wir für das Verhalten unseres Kindes ernten. Oder auch Sprüche, die uns tief treffen, wenn wir uns in diesen Momenten nicht voll und ganz auf unser Kind einlassen.

Für das Kind ist diese Zeit aber ebenso anstrengend. Es macht wichtige Erfahrungen. Es muss nach und nach lernen mit diesen Gefühlen umzugehen und diese in seinem Gefühlssprektrum zu integrieren.

Unser Kind muss zudem allmählich lernen sich in andere hineinzuversetzen. Damit es weiß, wie wir uns damit fühlen. Die Fähigkeit zur Perspektivenübernahme beginnt im Alter von ca. 3 Jahren und dauert viele Jahre an. Ihr seht also, euer Kind hat es nicht leicht. Es möchte uns mit seinem Verhalten nicht ärgern, es möchte lediglich ein selbstständiges Wesen werden, was von uns in seiner ganzen Persönlichkeit gesehen wird.

In meinem nächsten Blogbeitrag verrate ich euch, wie genau ihr euer Kind durch diese schwierige Zeit liebevoll begleiten könnt.

Wie macht sich bei eurem Kind die Autonomiephase bemerkbar und fällt es euch schwer damit umzugehen? Hinterlasst mir gerne einen Kommentar!

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